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Das Unverständnis ist in Europa groß, als die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen. Doch die Europäische Union und ihre Mitgliedsländer halten ihren nachhaltigen Kurs: Mit der CSR-Berichtspflicht nehmen sie große Unternehmen und ihre Dienstleister in die Pflicht. Die Veranstaltungs­industrie stellt sich darauf ein.

Mahnt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nach dem Austritt von US-Präsident Donald Trump aus dem Klimaabkommen, das 2020 in Kraft treten soll.

„There is no planet B“ mahnt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nach dem Austritt von US-Präsident Donald Trump aus dem Klimaabkommen, das 2020 in Kraft treten soll. 196 Staaten hatten sich auf dem UN-Klimagipfel 2015 in Paris darauf verständigt, den Temperaturanstieg auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Dass die Vereinigten Staaten aussteigen ist deshalb ein herber Rückschlag, weil sie mit 14 % der zweitgrößte Verursacher von Kohlendioxid sind. Nummer eins ist mit 30 % China und schickt sich an, in die freigewordene umweltbewusste Führungsrolle in der Welt zu schlüpfen.

Europäische Union hält Kurs: EU-Richtlinie zur CSR-Berichtspflicht

Die Kehrtwende der USA ruft nicht nur Umweltverbände auf den Plan, sondern auch den Verband der Chemischen Industrie e. V. (VCI) mit 1.700 Chemie- und Pharmaunternehmen in Deutschland. Hauptgeschäftsführer Dr. Utz Tillmann stellt fest: „Der Ausstieg der USA aus dem Klimaschutzabkommen von Paris ist schlecht für den globalen Klimaschutz und für die Wettbewerbsfähigkeit Europas.“ Doch die Europäische Union hält Kurs. Ihre neue EU-Richtlinie zur CSR-Berichtspflicht überführten bisher 19 Mitgliedsländer in nationales Recht. In Deutschland ist sie rückwirkend zum 1. Januar 2017 in Kraft getreten. Das „Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernlageberichten“ verpflichtet kapitalmarktorientierte Unternehmen ab 500 Mitarbeiter über ihre Maßnahmen beispielsweise zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen zu informieren. Indirekt betroffen sind auch ihre Dienstleister und Lieferanten.

Nachhaltigkeit: Nice-to-Have wird immer mehr zu einem Must-Have

Erneuerbare Energien leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, doch auch bei Firmenevents gibt es noch großes Potential für Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Foto: Photo by WestBoundary Photography chris gill on Unsplash

Das wird eine nachhaltige Denk- und Arbeitsweise in den Event­abteilungen der Unternehmen und ihren Dienstleistern nach sich ­ziehen. Um Auftraggeber und -nehmer ins Gespräch zu bringen, haben der Kommunikationsverband FAMAB und die CSR-Beratungsagentur 2bdifferent 2017 den FAMAB Sustainability Summit ins Leben gerufen. „Das Nice-to-Have wird immer mehr zu einem Must-Have“, beobachtet FAMAB-Präsident Jörn Huber und betont, dass Nachhaltigkeit mehr als „Green Meetings“ meint, nämlich die ökologische, die ökonomische und die soziale Ebene. Das Programm des Sustainability Summit deckt in 25 Vorträgen alle drei Ebenen ab. Im Plenum stellt Markus Große Ophoff von der Deutschen Bundesumweltstiftung verschiedene Handlungsfelder für nachhaltige Veranstaltungen vor, im Forum Holger Leisewitz von der Beiersdorf AG seinen Beratungskatalog für die nachhaltige Planung von Veranstaltungen. Die Fortsetzung folgte auf dem zweiten FAMAB Sustainability Summit am 18. Juni 2018 in den Westfalenhallen Dortmund.

CSR-Know-how für den Branchennachwuchs im Eventmanagement

An den Branchennachwuchs, der Eventmanagement dual oder in Vollzeit studiert, eine Ausbildung oder ein Praktikum macht, richtet sich die bundesweite Bildungsoffensive 2017/2018 „Sustainable Future Education“. Mit ihrer Fortbildungsreihe wollen der FAMAB, seine Stiftung und 2bdifferent den Young Professionals den CSR-­Gedanken näherbringen und Know-how für die nachhaltige Event-Gestaltung vermitteln. Auf dem Stundenplan stehen die EU-weite CSR-Berichtspflicht und ihre Folgen auf die Veranstaltungswirtschaft, Nachhaltigkeitsstrategien in Unternehmen sowie Praxisübungen zur Identifikation von Handlungsfeldern und Erarbeitung von Umsetzungsmaßnahmen. Die Premiere im Juli verlief „mit viel Spaß und konstruktiven Ergebnissen“, resümiert Initiator Jürgen May. Der Geschäftsführer der CSR-Agentur 2bdifferent ergänzt: „Es war eine sehr wissbegierige Gruppe, die uns Referenten forderte. Vor allem die Ergebnisse der Gruppenarbeiten können sich sehen lassen und könnten sofort in der Praxis angewendet werden“. Er engagiert sich für die Bildung des Nachwuchs, damit das „abstrakte Konstrukt Nachhaltigkeit“ in die Arbeits- und Lebenswelt der Studierenden und Auszubildenden übertragen werden kann. May: „Nur so kann Nachhaltigkeit im betrieblichen Handeln umgesetzt werden. Das ist unser Ziel.“

Großes Potential für Nachhaltigkeitsmaßnahmen bei Firmenevents

„Die Erkenntnis, dass die Art und Weise wie Firmenevents ausgerichtet sind, zu einer positiven Nachhaltigkeitsbilanz beiträgt, ist bei vielen Unternehmen noch nicht angekommen“, meint Kerstin ­Pettenkofer. Die Geschäftsführerin der Agentur labconcepts ist Gründungsmitglied des Netzwerks „events für morgen – Experten für nachhaltige Events“. Die vor zwei Jahren gegründete Initiative will Nachhaltigkeit bei Veranstaltungen etablieren und Hürden für Veranstalter abbauen. Ihre Gründer sehen in nachhaltigem Veranstaltungsmanagement mit messbaren Handlungsfeldern wie Mobilität und Catering ein großes Potential für Nachhaltigkeitsmaßnahmen in anderen Unternehmensbereichen und dem Büroalltag. Die Referenzen von Kerstin Pettenkofer schließen die Alexander von Humboldt Stiftung ein, die KfW DEG, Volkswagenstiftung und den Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) der Bundesregierung.

Leitfaden für die nachhaltige Organisation von Veranstaltungen

Die RNE-Jahreskonferenz ist ein Benchmark für nachhaltiges Veranstaltungsmanagement entlang des „Leitfadens für die nachhaltige Organisation von Veranstaltungen“ des Umweltbundesamtes (UBA) und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB). Die öffentliche Dokumentation der Jahreskonferenz 2017 gibt Planern einen Überblick über durch­geführte Maßnahmen; von der Mobilität über Veranstaltungsort, Catering, Veranstaltungstechnik, Abfallmanagement, Wasserverbrauch, Printdokumenten, Hotelübernachtungen, Kommunikation bis zum „GreenNote-Siegel“.

Zur Vertiefung empfiehlt sich das Handbuch „Nachhaltiges Veranstaltungsmanagement – Green Meetings als Zukunftsprojekt für die Veranstaltungsbranche“. Herausgeber ist die Deutsche Bundes­umweltstiftung (DBU), Autor ist Dr. Markus Große Ophoff. Der Fachliche Leiter und Prokurist des Zentrums für Umweltkommunikation der DBU in Osnabrück, in dem übrigens getagt werden kann, beschreibt in seinem Buch fünf Handlungsfelder mit Mindestanforderungen für nachhaltige Veranstaltungen: Mobilität, Energie und ­Klima, Ressourcen, Catering sowie Veranstaltungsmanagement und Kommunikation. Ergänzt um Fallbeispiele und Umweltmanagementsysteme wie das „Eco-Management and Audit Scheme – EMAS“ oder die Umweltnorm „ISO 14000“ mit einem wirksamen Instrumentarium für nachhaltige Veranstaltungskonzepte.

Orientierung bei der Wahl nachhaltiger Dienstleister

Zertifizierungen bieten Orientierung bei der Wahl nachhaltiger Dienstleister. Das Landgut Stober ist als erstes Bio-zertifiziertes Hotel ein wichtiger Vorreiter. 

 

Orientierung bei der Wahl nachhaltiger Hotels, Locations und anderen Dienstleister gibt „Fairpflichtet“. Initiiert haben den Nachhaltigkeitskodex der deutschsprachigen Veranstaltungsbranche das German Convention Bureau (GCB) und Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren (EVVC). Die Unterzeichner verpflichten sich freiwillig der Nachhaltigkeit bei der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen entlang von zehn Leitlinien zu „Ressourcen und Energie“ und den verantwortlichen Umgang mit diesen oder zum „nachhaltigen Arbeitgeber“, der die Qualifikation seiner Mitarbeiter steigert und ihre Beschäftigung sichert.

Unter den 193 Unterstützern ist die Willy-Brandt-Halle. Der Kodex ist für das Mühlheimer Bürgerhaus eine kostengünstige Alternative zu anderen Zertifizierungen. „Wir sind ein kleiner Betrieb mit Mitarbeitern aus der eigenen Stadt. Uns allen liegt am Herzen unsere Stadt und unsere Umwelt für unsere Kinder zu erhalten und gut zu behandeln“, beschreibt Martin Deiß seine Beweggründe. Zudem will der Geschäftsführer und Technische Leiter als EVVC-Mitglied die Arbeit seines Verbandes unterstützen. Als sein Team und er die Unterlagen für fairpflichtet durcharbeiten, merkten sie, dass sie bereits alles umsetzen bzw. geplant haben. Deiß denkt an die Umrüstung auf LED Beleuchtung, seine lokalen Lieferanten, aber auch die Freistellung seiner Mitarbeiter zur ehrenamtlichen Tätigkeit bei der Freiwilligen Feuerwehr und die Einstellung eines Flüchtlings. Der politische Flüchtling aus dem Iran fällt ihm bei einer Veranstaltung positiv auf. „Wir haben in der Stadt eine sehr gut funktionierende Flüchtlingsarbeit. Durch Informationen der IHK konnte ich ihn ­einstellen“, erinnert er sich. Vorerst arbeitet der gelernte Kameramann und Journalist auf 450-Euro-Basis als Hausmeister, hilft aber auch den Fachkräften für Veranstaltungstechnik. Ob seine Kunden gezielt wegen seinem nachhaltigen Engagement in die Willy-Brandt-Halle kommen, kann Deiß nicht sagen.

Thema Nachhaltigkeit beschäftigt Tagungsorganisatoren

Dass das Thema Nachhaltigkeit Tagungsplaner umtreibt, hat eine aktuelle Studie der IMEX Group und Meeting Professionals International (MPI) im Vorfeld der IMEX America 2017 herausgefunden: 72 % der Veranstaltungsplaner haben sich in den letzten fünf Jahren verstärkt bemüht, ihre Veranstaltungen nachhaltiger zu planen. Die Studie stellt fest, dass es immer mehr nachhaltige Initiativen und Aktionen in der Veranstaltungsbranche gibt. Auf die Frage nach den Maßnahmen mit der größten Wirkung gaben 48 % der Befragten die Reduktion von Abfall und Verbrauchsmaterialien an und 33 % Recycling sowie die Weitergabe nicht verbrauchter Lebensmittel und Materialien an Bedürftige.

Die Ideenbörse ist ein Projekt von Essen 2017 – Europas Grüner Hauptstadt. Mit dem Titel zeichnete die Europäische Kommission die beispielhafte Transformationsgeschichte der Kohle- und ­Stahlstadt zur grünsten Stadt in Nordrhein-Westfalen aus.

Welche Möglichkeiten sich in Zukunft noch bieten, zeigt die Ideenbörse „Meine Ideen, Meine Projekte, Meine Grüne Hauptstadt“ auf. Unter den 115 Bürgerprojekten ist die App „greenApes“, die umweltbewusste Menschen vernetzt und umweltfreundliche Tätigkeiten wie Fahrrad fahren, regional konsumieren oder Müll trennen mit Punkten belohnt, die sich z. B. in Geschäften für Prämien eintauschen lassen. Die Ideenbörse ist ein Projekt von Essen 2017 – Europas Grüner Hauptstadt. Mit dem Titel zeichnete die Europäische Kommission die beispielhafte Transformationsgeschichte der Kohle- und ­Stahlstadt zur grünsten Stadt in Nordrhein-Westfalen aus. „Als Grüne ­Hauptstadt Europas möchten wir Themen platzieren, die auch über unsere Stadt hinaus Umweltbewusstsein schärfen – sei es in der Politik, Wirtschaft, der Wissenschaft, der Verwaltung oder einfach bei den Menschen“, so Oberbürgermeister Thomas Kufen zur Eröffnung der vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit geförderten Konferenz „Nachhaltige Architektur im (Klima-)Wandel“ im Q2 des ThyssenKrupp-Quartiers. Die nachhaltige Architektur Essens entdecken Delegierte über das Jahr 2017 hinaus auf Exkursionen zum RAG-Neubau auf dem Zollverein-Gelände, erbaut nach dem „Cradle to Cradle“-Prinzip, Innovation City Ruhr-Projekt ­Eltingviertel und Passivhaus „Haus des Lernens“ in Haarzopf.

Auf der sicheren Seite im Landgut Stober

Auf der sicheren Seite sind Veranstalter im Landgut Stober Nauen mit 25 Tagungsräumen für bis zu 750 Personen und 105 Zimmern. Als Geschäftsführer des ersten Bio-zertifizierten Hotels in Brandenburg stößt Michael Stober immer wieder auf drei Vorurteile: „Ach, Sie sind Öko?“, „Auf was muss ich verzichten?“ und „Wird es jetzt teuer?“. Stober versichert, dass die Gäste seines Vier-Sterne-Hauses bis auf die Klimaanlage auf nichts verzichten, und sein nachhaltiges Management 4,6 % der Kosten einspart. Mehr noch: Die eigene Stromerzeugung, die Hackschnitzelheizung mit eigenem 12,5-ha-großen Wald, die Nutzung von Regenwasser für die 200 Toilettenanlagen, die Zubereitung regionaler und saisonaler Speisen reduzieren den CO2-Wert deutlich und damit verbundene Kompensationszahlungen. Das Landgut Stober ist in Kooperation mit Zertifizierer CO2OL seit 2013 klimaneutral und händigt jetzt jedem Gast eine Urkunde für seinen klimaneutralen Aufenthalt aus. Die ersten Empfänger waren am 19. und 20. Juli 2017 die Teilnehmer der internationalen Führungskräfte-Tagung der Bio Company. Die Senkung des Co2-Ausstoßes im Rahmen des Klimaabkommens hat Michael Stober längst vollzogen – auch ohne die USA.

Hier stellen wir weitere nachhaltige Tagungshotels vor.

Kerstin Wünsch

Dieser Beitrag erschien im Trendbook tagungsplaner.de 2018. Auch die Trends für 2019 stellen wir wieder in unserem Trendbook vor.

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Photo by Rémi Walle on Unsplash
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